Das verloren geglaubte Kälbchen

Kennen Sie das Glücksgefühl, etwas zu finden, was man schon verloren geglaubt hatte. Ich durfte im letzten Jahr dieses erfahren:

Beim morgendlichen Rundgang auf meiner Alp entdecke ich, dass eine Jungkuh in der Nacht gekalbt haben musste. Doch vom Kalb keine Spur. Die Jungkuh gab mir keine Hinweise. Im Gegenteil, sie fraß seelenruhig als ob nichts wäre. Ich suchte die Weide ab: vergeblich. Dann beschlich mich ein ungutes Gefühl. „Das Kalb könnte beim ersten Gehversuch abgestürzt sein? Oder sogar ein Raubtier könnte vom Blut der Geburt angelockt worden sein..?“

Wie sollte ich das weite Gelände rundherum mit Gestrüpp und tiefen Schluchten absuchen? Meine Verzweiflung brachte meinem jungen Hund „Quirin“ die Chance mal seine Nase einzusetzen. Wir hatten das Suchen noch nie geübt. Also probierte ich aufs geradewohl am Zaun entlang den Hund zu ermuntern „irgendwas“ zu suchen.  

Plötzlich ein heller Laut und der Hund sprang eine steile Böschung hinab. Dann war Stille. „Jetzt ist auch noch der Hund weg“, dachte ich. Doch dann aber bellte Quirin irgendwo da unten laut und anhaltend. Hoffnung keimte.

Ich suchte über einen Wildwechsel einen gefahrlosen Weg für mich nach unten. In der Talsohle fand ich erst mal nur undurchsichtiges Grün. Ich folgte dem Gebelle in das Dickicht als ich auf einmal zwei kleine Ohren zwischen den Farnen herausspitzen sah. Dahinter war Quirin, der das Kälbchen „anschrie“, nach dem Motto, „jetzt steh doch endlich auf“. Doch das Kälbchen drückte sich ängstlich, seinem Instinkt folgend, dicht ins Gestrüpp.

Meine Seele jubilierte – ich hatte das verloren geglaubte Kälbchen tatsächlich gefunden. 20 Meter war es über die steile Böschung ins Tobel gerutscht! Ich zückte mein Handy, machte Fotos und sogar ein Video, rief meinen Sohn an, der sich das neugeborene Kälbchen mit seiner jugendlichen Kraft auf die Schulter legte um es zum Alpweg zu tragen. Freude pur!

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