Närrische Zeit

Ständig vernünftig sein ist fad. Drum gibt es für uns brave Menschen die närrische Zeit. Jeder kann da ungeniert ein bisschen „ausrasten“. Also Sachen tun, die eigentlich sinn- und nutzlos sind.

Blöd ist es halt, wenn mancher Irrsinn Alltag geworden ist. Z.B. dass man heutzutage eine „Bergwelt mit Bespaßung“ braucht um die Natur zu genießen. Oder dass man mit Autofahren, mit Flugreisen und sogar für‘s Biertrinken Öko-Punkte zum Klimaschutz sammelt. Oder dass Waren vom anderen Ende der Welt immer billiger sind als meine eigenen Produkte vor der Haustür. Die Auflistung könnte ich noch lange fortsetzen.

Als ich noch ein Bauernkind war, da hatte es noch seinen festen Sinn, die Felder zu pflegen, gutes Futter zu ernten, die Kühe gaben davon gute Milch, für die wir wiederum gutes Geld bekamen und von dem die ganze Familie leben konnte. Aber als kleiner Bauer von den eigenen Erzeugnissen zu leben, ist längst Illusion geworden. Deshalb gibts vom Staat für uns Bauern jedes Jahr einen „Zuschuss“. Damit halten wird dann so eine Art Tradition aufrecht, obwohl es wirtschaftlich eigentlich keinen Sinn mehr macht.

Dies ist jedoch nicht nur ein Problem der Landwirtschaft. „Ein Drittel unserer Jobs sind sinnlos!“ schätzt der Anthropologe David Graeber in seinem Buch-Bestseller „Bullshit Jobs“. Geht es Ihnen also auch so? Ja dann nutzen wir doch die „närrische Zeit“. Denn Jäcken und Narren finden im Spaß so manche Wahrheit. Und ich hoffe, der „Kater danach“ wird nicht so schlimm und bringt uns vielleicht den erhellenden Blick, der uns den Sinn wieder finden lässt.

Feneberg-Magazin Kolumne Februar/März 2020

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