Sind wir nicht alle ein bisschen Bauer…

Als Bauer ergeht es einem inzwischen wie den Fußballern. Jedermann weiß es besser! Obwohl die wenigsten noch selbst Landwirtschaft betreiben. Ich stehe also als Bauer unter Dauerbeobachtung. Ist ja auch logisch, denn ich werkle ganz viel in der freien Natur. Und da die Leute inzwischen viel Freizeit haben und auch liebend gerne in der Natur sind, sieht man sich gegenseitig des öfteren.

Und dann kommen jedem halt so seine Gedanken. Warum fährt der eigentlich so einen dicken Traktor? Oder warum mäht der schon wieder? Oder ganz beliebt: warum düngt der jetzt schon wieder? Jedenfalls denke ich mir, dass mein Beobachter sowas über mich denkt.

Wissen tue ich es nicht. Weil wir, Sie und ich, fast niemals darüber reden. Doch in der Zeitung und in den neumodischen sozialen Medien wird das oft so dargestellt. Und einige meiner Berufskollegen sind darüber ganz schön sauer.

Warum eigentlich? Also ich finde es richtig cool, wenn sich so viele Menschen inzwischen für die Landwirtschaft interessieren. Das zeigt mir, wie wichtig meine Arbeit ist. Und Sie haben ja auch recht damit, dass wir Bauern eine große Verantwortung haben, weil wir mit den lebenswichtigen Ressourcen der Natur wirtschaften. Aber wissen Sie, was ich Ihnen schon lange mal sagen wollte? Sie haben diese Verantwortung auch! Denn wenn Sie beim Lebensmitteleinkauf nur das Preiswerteste wählen würden, dann hätte das gravierende Folgen. Denn nur mit Intensivierung und weiterer Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ist es eben möglich immer billiger zu produzieren. Aber ich glaube das wollen Sie doch auch nicht. Darum haben wir, Sie in ich, doch ein tolles, gemeinsames Interesse! Darauf können wir aufbauen! In jedem von uns steckt halt doch auch ein Bauer… 😉 Und gemeinsam verändern wir sogar die Welt.

Beitrag erschienen auch als Kolumne im Feneberg Vonhier-magazin 08/09-2019

2 Kommentare

  1. Josef Schmid

    Sehr gut beschrieben. Ich finde es auch gut, daß sich so viele Gedanken über die Landwirtschaft machen, v.A. über die weitere Entwicklung. Ein „weiter wie bisher“ wäre doch auch für uns Bauern verhängnisvoll. Wesentlich schlimmer wäre es, die Verbraucher, unsere Kunden, wären der Meinung, „egal woher und wie hergestellt, Hauptsache möglichst billig“. Umso mehr ärgere ich mich immer darüber, wenn Bauern, die angeblich den Dialog suchen, dann mit Nichtlandwirten nicht ernsthaft diskutieren wollen.

    • Alois Wohlfahrt

      Die Dialogverweigerung der modernen Landwirtschaft ist eines der größten Hindernisse um zu lernen. Mein Vater sagte immer: „Man kann selbst vom Dümmsten etwas lernen, wenn man hinschaut und zuhört“.

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