Alt – aber bezahlt – und nachhaltig

Derzeit demonstrieren tausende Landwirte mit ihren Traktoren in den Städten. Meist mit großen und teuren High-Tech-Traktoren. Und tatsächlich haben diese Traktoren einen wesentlichen Anteil daran, dass es den Landwirten so schlecht geht. Nicht nur symbolisch!

Unsere Mitbürger meinen ja immer, dass es den Landwirten gar nicht so schlecht gehen kann, weil sie so riesiege Traktoren fahren. Die Wahrheit ist, die meisten der modernen Traktoren sind kreditfinanziert. Die Landwirte verschulden sich, in der Hoffnung, mit High-Tech wettbewerbsfähiger produzieren zu können.

Doch damit beginnt der unheilvolle Kreislauf. Mehr Masse produzieren, mehr ausbeuten und noch weniger verdienen. Die fortschreitende Technisierung knebelt die Landwirte in das Geschäftsmodell der Industrie. Alle supermodernen Traktoren mit digitaler Technik können selbst gar nicht mehr gewartet und repariert werden.

Ich glaube, es ist wirklich nur noch eine Frage der Zeit, bis diese fahrenden Computer von den Wartungszentralen der Industrie gesteuert werden. Bei den Melkrobotern der High-Tech-Milchwirtschaft ist das bereits so: Ohne teuren Wartungsvertrag mit Remote-Zugriff der Servicezentrale des Anbieters sind diese Dinger nicht einsetzbar. Der Landwirt finanziert und forciert also seine eigene Knechtschaft.

Bemerkenswert ist deshalb ein Trend, der in Amerika jetzt registriert wird. Dort steigen die Preise für althergebrachte Maschinen, die noch keine knechtende Elektronik eingebaut haben.

https://www.stern.de/auto/news/schluss-mit-hightech—us-farmer-kaufen-oldtimer-trecker-9087958.html

https://www.bauernzeitung.ch/artikel/us-farmer-setzen-auf-traktoren-aus-der-nachkriegszeit

Die amerikanischen Farmer erkennen also den Zwang und suchen Wege aus der Negativ-Spirale der Technisierung.

Wenn der Bauer mit dem Geld, das er nicht hat,
teure Technik kauft,
um massenhaft billige Lebensmittel zu produzieren, die niemand mehr wertschätzt, dabei sich selbst und die Natur ausbeutet, für Leute, die ihn dann später dafür hassen, die aber durch den billigen Konsum selbst reich werden, um ihm dann irgendwann sein Land abzukaufen,
damit er seine Schulden bezahlen kann.

Das kapitalgetriebene Verschuldungssystem der Technisierung treibt nicht nur die Bauern in Abhängigkeiten und Entmündigung. Es geht bei unserer alltäglichen Technik längst nicht mehr um vernünftigen Nutzen, sondern um Konsum- und Umsatzsteigerung. Bei unseren Autos ist es doch derselbe Mechanismus, wenn der Besitzer selbst nichts mehr warten und reparieren kann.

Die Folgen sind fatal. Wir verlieren einerseits unsere persönliche Freiheit und zum anderen ruiniert die Produktionsmaschinerie die Ökologie unseres Planeten. Beim Umbau der Mobilität zu Elektroautos sehen wir sehr deutlich, dass auch der grüne Anstrich von Industrie und Gesellschaft das Problem nicht löst.

Die Lebensweise des althergebrachten bäuerlichen Menschen ist die Lösung! Oder wie Millendorfer es sagte: Die Umkehr zum Leben.

Der Bauer ist nicht der Letzte von gestern ist, sondern der Erste von morgen. Die Industriegesellschaft braucht die Werte der Bäuerlichkeit bei ihrer Umkehr zum Leben.

Prof. Johann Millendorfer

Insofern sind die jetzigen Bauerndemonstrationen mitsamt ihren Schleppern eine große Chance. Für die Landwirte genauso, wie auch für die Gesellschaft mal über die herausragende Rolle des Traktors nachzudenken.

Euer Alois

Über meinen Traktor habe ich mich auch schon mal in einer Kolumne Gedanken gemacht.

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