Komplett wurscht!

„Mir ist des komplett wurscht!“ Habe ich dieser Tage mal wieder von einem Landwirt gehört. Immer diese coolen Sprüche….

Aufgewühlt kamen mir Erinnerungen an meine Ausbildung zum modernen Landwirt. Die geballte, studierte Intelligenz der Ämter gab uns eine überlegene Sicherheit, wo man nichts hinterfrägt. Z.B. Warum man die Natur immer mehr ausquetschen muss, um mehr und noch billiger zu produzieren? Zudem gabs Geldgeschenke, äh Förderungen, für immer größere und teurere Maschinen. Und vor Schulden hatten doch nur die Looser Angst, welche ihre Turbokühe nicht im Griff hatten.  

Zweifler wurden auch in meiner Landwirtschafts-Klasse ausgelacht. Beispiel gefällig: Da gab es noch so einen Altbackenen, der den Kälbern weiterhin die natürliche Kuhmilch zu saufen gab und nicht das empfohlene industrielle Milchpulvergesöff. Doch ohweh, Jahrzehnte später entpuppte sich der angepriesene Milchaustauscher – er war mit billigstem Tiermehl aus der Tierkadaver Verwertung angereichert – als Infektionsquelle für BSE. Im Jahr 2000 schlug die BSE-Bombe im Allgäu ein und löste eine wahre Hysterie aus. Die arme Bauernfamilie musste unter Polizeischutz gestellt werden! Für mich war dies damals der letzte Beweis, dass auch staatlich studiert und staatlich gefördert nicht vor Irrtum schützt!

Eigentlich spürte ich früh, dass diese Förderideologie schief lief. Aber solange man „im oberen Viertel“ der sogenannten Zukunftsbetriebe sich in Sicherheit wähnte, konnte es einem ja weiterhin wurscht sein. Und so kümmerten wir Bauern uns auch nicht um die richtige Wurst. Wie sie gemacht wird? Wie sie schmeckt? Wie sie verkauft wird? Und ob sie überhaupt gesund ist oder nicht? Mit derlei Gleichgültigkeit wurde zugesehen, wie uns fast der gesamte vor- und nachgelagerte Bereich aus der Hand glitt: Regionalen Metzgereien, kleine Sennereien, kleine Genossenschaften, der Vorort Handel usw. wurden und werden mit staatlich beförderter Bürokratie behindert. Zum angeblichen Verbraucherwohl.

Die schweigende Mehrheit akzeptiert, dass man da eh nichts dagegen machen kann. Wirklich nicht?? Doch! Wir können! Tatkräftige Unternehmer, mutige Bauern und nachdenklich ehrliche Bürger bewegen sehr viel zum Guten.

Ich danke allen, denen eben nicht „alles wurscht“ ist!

Alois

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