So waren die braven Rittersleut

Einst besiedelten brave Ritter unser Land. Sie erschlossen Sümpfe und dunkle Wälder zu blühenden Wiesen, Felder und Landschaften und bauten schützende Burgen. Sie pflegten ihre Güter und verteidigten mit großem Willen das Land gegen Jederman. Ihr Leben war hart und ein täglicher Kampf ums Überleben. Doch sie waren erfindungsreich, tatkräftig und auch geachtet im ganzen Land. Die großen, wie auch und kleinen Ritter, alle miteinander, ernährten und schützten alle Leute im Land und sie waren das Rückgrat und der Stolz des Landes.

Doch eines Tages, erhoben die gescheiten Leute am Hofe des Königs ihre Stimme und klagten, dass die Ritter zu unproduktiv seien. Die Wohlstandsentwicklung des Landes sei in Gefahr, da die Ritter störrisch an dem überlieferten Wissen ihrer Väter festhielten. Der König war verwundert darüber, war er doch auch der Meinung, dass gerade die Tradition das Land so stark machte. Doch die gescheiten Leute zeigten dem König schöne Bilder von fernen Ländern, welche zu großem Wohlstand gekommen waren, weil dort die Ritter die modernsten Methoden der Landbewirtschaftung anwendeten. Das überzeugte den König und er erlies ein Ritterförderungsgesetz, wonach von nun an die Modernisierung der Ritter gefördert werden sollten.

So setzte der König in das Amt für Ritterwirtschaft (AfR) und studierte Beamten dazu ein. Den Beamten gab er ehrfürchtige Namen, wie Ritter-Rat (RR), Ritter-Ober-Rat (ROR), Ritter-Direktor (RD) oder gar Leitender-Ritter-Direktor (LRD). Eifrig machten sich die Beamten daran die Bildung, die Arbeitsweise, und auch die Ausstattung der Ritter zu überwachen, wobei ihnen die Beamten auch viele Privilegien überließen.

Die Ritter waren nicht dumm. Sie erkannten daraus folgerichtig, dass die Fürsorge des AfR ausbaufähig war. Darum gründeten sie den Ritter-Reit-Verband (RRV), und entsandten einen Ritterpräsident an den Hof des Königs, damit dieser dort seine Stimme erheben konnte. Der König war sehr erfreut darüber. Konnte er und seine Ritterwirtschafts-Beamten nun doch alle Belange der Ritter direkt bei Hofe regeln. Und auch bei den Hoffesten, erwarben sich die tollkühnen Ritter-Reit-Vertreter einen legendären Ruf. So wuchs Ihr Einfluss stetig an und sie konnten ihren Rittern auf dem Land ständig neue Erfolge der Ritterförderung verkünden.

Schon bald produzierten die modern geförderten Ritter die Lebensmittel in Hülle und Fülle. Und emsig bauten sie auch fleißig ihre Burgen, Ställe und Dörfer aus. Und dabei kauften sie immer wieder die neuesten Dinge, welche ihnen die gescheiten Leute anboten und der Wohlstand im Lande wuchs immer weiter.

Doch dann vermochten die Händler alsbald die Massenprodukte nicht mehr abzunehmen. Und so zahlten sie den Rittern immer weniger dafür und gar viele Waren verdarben. Der Ritterpräsident ging zum König und beklagte sich arg über diese schlimmen Zustände. So beriet sich der König mit den gescheiten Leuten bei Hofe und sie beschlossen den Rittern großherzig mit einer Rittermilliarde zu helfen.

Der RRV freute sich artig über den Geldsegen, doch jeder normale Ritter wussten nur zu gut, dass die Beamten des AfR nun erst recht viele neue Regeln und Schikanen von ihnen einfordern würden. Und dass es unter den Rittern zu Fehden mit Hauen und Stechen um die Verteilung der Milliarde kommen würde.

Und so wuchs eine Dauerfehde unter den braven Rittern. Worauf viele Ritter den anderen ihre Güter abluchsten. Die Gewinner konnten ihren Anteil an den Rittermilliarden und ihren Einfluss immer mehr ausbauen. Die Beamten förderten das ausdrücklich, weil der König und die gescheiten Leute bei Hofe ausdrücklich große Rittergüter wollten. Wer als Ritter überleben wollte, der musste halt die neuesten Methoden der Landausbeutung nutzen, auch wenn diese gemeiner und ruppiger waren als es die Rittertradition jemals getan hätte. Die kleinen und weichen Ritter aber fristeten ihr Dasein demütig und verdingten sich halt zusätzlich als Tagelöhner um ihre kleinen Rittergüter zu erhalten.  

Dann geschah es, dass das übrige Volk und die anderen Stände den Rittern die Milliarden aus dem Staatschatz neideten. Auch missfiel den Leuten, die modernen, aber doch gemeinen Methoden der Landausbeutung, welche das Land oft öder machte. Die Ritter verloren so nach und nach ihren einst guten Ruf und galten bald als Blutsauger des Königreiches. Das spürten natürlich auch die jungen Ritterssöhne und viele wollten einfach nicht mehr Ritter werden. Das Leben der Ritter war zwar sicherer geworden. Aber es brachte auch keine Ehre mehr ein. So machten sich viele Ritterssöhne von Ihren Rittergütern davon und suchten das Vergnügen und das höfische Leben in den Städten. So ging es viele Jahre und die Ritter wurden immer weniger. Die gescheiten Leute bei Hofe nannten dies den Ritterwandel.

Doch dann geriet der König selbst in einen Wettstreit um das glorreich globale Kaiserreich. Dazu brauchte er um neue Verbündete aus fernen Ländern und diese hatten doch selbst noch viel effektivere Ritterheere als der König. Und so stimmte der König der Einheits-Union Ritter-Reform (EURR) zu, welche die Privilegien und Förderungen der Ritter im ganzen Kaiserreich vereinheitlichen sollte. So verhandelten die Beamten und die Ritterverbände im Geheimen den Gesellschafts-Ritter-Vertrag (GRV) aus.

Als der GRV-Vertrag mit viel Pomp verkündet wurde machte sich große Angst bei den braven Rittern breit. Sie widersetzten sich verzweifelt dem Vertrag. Damit waren Ritterschlachten unausweichlich. Und wie von Geisterhand marschierten plötzlich ungeordnete und verzweifelte Ritter in die Städte.

Die Städter packte nun ebenfalls die nackte Angst und eiligst beorderten die Mächtigen im Lande fremde Söldnerheere zum Schutz der prunkvollen Städte. Und auch die braven Ritter spürten Panik und Verlassenheit. Hatten sie doch schon seit Generationen nicht mehr selbst den Kampf gefochten, sondern sich im Schutz der Beamten des Königs in Sicherheit gefühlt. Das rächte sich nun. Und in langen und grausamen Schlachten kamen die meisten braven Ritter des Königs um ihr Leben.

Die gescheiten Leute des Königs schauten dem blutigen Treiben aus sicherer Entfernung zu. Auch der König selbst war sehr traurig über das Ende seiner braven Ritter. Doch letztlich trösteten ihn die Leute am Hofe und gratulierten ihm zur Kaiserwahl. Denn die fremden Söldner-Ritter huldigten ihm nach ihrem Sieg die Treue und damit konnte der König als neuer Kaiser das Land noch viel besser verwalten und bewirtschaften, weil auch die teuren Rittermilliarden nicht mehr gezahlt werden mussten. Das freute die gescheiten Leute bei Hofe sehr. Der glorreiche Kaiser aber tröstete die Witwen der gefallenen Ritter mit den Worten: “Wir schaffen das!” und lud alle Witwen und ihre Kinder zum glanzvollen Hoffest in sein Schloss ein.

Und die Moral von der Geschicht:          

Brave Ritter überleben nicht!!

(Die Geschichte ist frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit
lebenden oder verstorbenen Personen und Institutionen ist rein zufällig.)

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