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Stirnlampengewitter

Von meinem Hof aus beobachte ich immer öfter das neuartige Lichtphänomen „Stirnlampengewitter“ an meinem Hausberg, dem Grünten. Es tritt meist bei schönem Wetter auf – jedoch unabhängig von der Jahreszeit. Verursacht werden diese Blitze durch das Zucken der Stirnlampen von modernen Menschen, die ihr verfassungsmäßiges freies Betretungsrecht der Natur auch bei finsterer Nacht auskosten. Hochmodernes High-Tech bei allen möglichen Natur-Trend-Sportarten macht dies möglich. Ganz aktuell – der E-Antrieb des Mountainbike: Er katapultiert jeden noch so untrainierten Hobbyradler den steilsten Alpweg hoch.

Der genussvollen Fahrt in den letzten Winkel steht damit nichts mehr im Wege. Außer vielleicht einem auf der Alpweide verstört drein guckenden Bauer wie mir! „Muss ein derart exzessiver Genuss wirklich sein?“ Frage ich mich da schon.

Diese immer mehr werdenden, modernen Naturgenießer sehen die Natur anders als ich. Mir scheint, Ihnen ist die Natur ein billiges Gut. Das jedem beliebig zur Verfügung zu stehen hat. Für mich als Bauer aber ist die Natur meine nachhaltige Basis. Meine schöne Bergnatur ist keine Wildnis mehr, sondern eine Kulturlandschaft. Geschaffen von zig Generationen bäuerlicher Landnutzer. Der Nutzen stand und steht auch heute noch für uns im Vordergrund. Und daraus ergibt sich für uns auch, dass wir für den Erhalt unserer Ressourcen Verantwortung übernehmen.

Das Verhalten der modernen Naturgenießer ist das der Schnäppchenjäger im Supermarkt: Alles soll möglichst billig sein und dazu noch unbegrenzt und immer verfügbar sein. Das öffentliche Betretungsrecht sehen sie als Freibrief. Den Stirnlampenskifahrern z.B. ist es scheinbar völlig egal, wenn sie die letzten Ruheräume des Wildes sogar noch in der winterlichen Notzeit massiv stören. Was bleibt dann dem geschundenen Wild anderes übrig, als zu flüchten und dann in den Schutzwäldern Schäden zu machen. Sollen wir dafür nun das letzte Stück Wild noch erschiessen? Wenn ja, dann wären wir Landnutzer wieder die Bösen!

Das Recht ist freilich auf der Seite der Schnäppchenjäger. Ich hafte sogar dafür, sollte sich einem solchen Naturgenießer auf meinem Grundstück ein störrisches Stück Stacheldraht querlegen. Momentan bleibt mir als Bauer nichts anderes übrig, als mich dieser veränderten Natur-Ansicht der Gesellschaft zu beugen. Das macht mich sehr nachdenklich. Ich bin trotzdem gespannt, ob die „nächtlichen Stirnlampengewitter“ auch dann noch so beliebt sind, wenn erst mal der Wolf am Grünten wieder heimisch ist…

Euer Alois

 

* Zuerst erschienen (etwas gekürzt) im Von-Hier-Magazin:

http://www.vonhier-magazin.de/2018/05/25/stirnlampengewitter/

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