Hofübergabe

Jeder kennt Geschichten, wo der alte Bauer noch mit hohen Alter schuftet. Für seinen Hof! Wo die angeblich „undankbaren Jungen“ nicht übernehmen wollen. Oder der „Alte“ eben nicht loslassen kann und die Ideen und die Tatkraft der Jungen dann keine Chance haben. Sowas wollte ich nie! Darum habe ich nun schon meinen Hof übergeben, obwohl ich noch keine Rente kriege. Jetzt bin ich nur noch der „Altbauer“.

Ich bin dafür sogar dankbar. Gelang es doch, den bäuerlichen Generationenvertrag mit meinen Vorfahren einzuhalten, den Hof zu erhalten, um ihn an die nächste Generation zu geben.

Natürlich hatte ich, und meine  Familie, auch Glück- oder sage ich besser den Mut das eigene Tun zu reflektieren, um passende Wege zu finden. Jenseits des „Agrar-Mainstreams“, wo ich mich als Jungbauer, zunächst doch auf die Wachstums-Heilsversprechen des der staatlichen Berater eingelassen hatte. Ich nahm auch die Lockmittel der „Zuschüsse“ an, um meinen Hof, meine Maschinen und meine Schulden wachsen zu lassen. Um noch mehr Ertrag aus meiner mir  anvertrauten Natur herauszuholen! Um dann schließlich Massenware billiger als mein Nachbar auf den Markt werfen zu können – um Diesen zu verdrängen. Mit all den „Kollateralschäden“, die wir heute als Gesellschaft nur zu deutlich leidvoll verspüren.

Wir entsagten dem „Agrar-Mainstream“ und kriegten die Kurve. Meine heutige, „kleine und familiäre Landwirtschaft“ liebe ich sehr. Und genau darum übergebe ich nun rechtzeitig. Denn ich weiß, nur die nachkommende Generation hat die Kraft zu gestalten – nicht die Alten. Mein Vater hatte mir auch vertraut, obwohl er sicher nicht mit allem glücklich war, was ich angepackt und verändert hatte. Die Jungen haben das Recht auf Ihre Zukunft. „Wir Alten“ sollten Platz machen und unseren jungen Erwachsenen viel mehr vertrauen!

So wird meine Hofnachfolger Stephan entschlossen seinen Weg gehen, weil er, so wie ich damals, auf sein Herz hört. Dafür bin ich dankbar und auch ein bisschen stolz auf ihn. Ich wünsche ihm dafür alles Gute und auch viel Freude.

Alois

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