Sparsam und Nachhaltig

Wir müssen doch alle sparen. Ist doch logisch. Geld ist immer knapp. Also müssen wir jederzeit das Billigste kaufen und jedes Sonderangebot nutzen. Ist doch so, oder? Da widerspreche ich energisch! Diese Definition ist für mich eine Werbeformel der Konsumwelt: Um ein gutes Gewissen für uneingeschränkten Konsum zu haben. Oder kurz gesagt: Ex und hopp! Diese Ansicht ist das Gegenteil von Sparsam – es ist sogar ruinöse Verschwendung.

Ich habe als Bauernkind von meinen Eltern noch eine ganz andere Sparsamkeit gelehrt bekommen. Denn damals war das Geld noch viel knapper wie heute. Egal welche Dinge man damals brauchte oder angeschafft hatte. Immer stand beim Sparen der langfristige Nutzen der Sachen im Vordergrund. Nicht der billigste Preis. Mütterliche Weisheiten wie, „die Schuhe können ruhig doppelt so viel kosten, wenn sie dreimal solange halten…“, befolge ich bis heute ganz automatisch. Dahinter steckt ein bäuerlicher Wert: die Nachhaltigkeit.

Dies lernt jeder Bauer von Kindesbeinen an. Ein Feld zu nutzen, also Ertrag davon zu haben, aber es gleichzeitig zu hegen und ertragsfähig zu erhalten für die nächste Generation.  Das Feld „auszubeuten“ um immer billiger zu produzieren ist nach bäuerlichem Sinn nicht nachhaltig, aber ist mit unserer „grenzenlosen Wachstums-Wirtschaft“ eher die Realität.
Und vom Spargedanken her ist das „immer mehr und billiger“ sogar wirkungslos.

Denn mit billigeren Lebensmitteln sparen wir gar nicht mehr Geld, denn durch die monetäre Wertlosigkeit werden mittlerweile fast die Hälfte aller Lebensmittel weggeschmissen. Man produziert also doppelt so viel, damit es nur noch die Hälfte kostet. Und verschwendet dabei die doppelten Ressourcen. Das ist weder sparsam noch nachhaltig.  Ich wünsche mir die bäuerliche Nachhaltigkeit zurück!

Alois

https://www.feneberg.de/fileadmin/user_data/feneberg/bilder/von_hier-Magazin/MAGAZIN-PDF/Von_Hier_Magazin_13.pdf

2 Kommentare

  1. Marian E. Finger

    Habe neulich den Krimi „Der große Plan“ von Wolfgang Schorlau gelesen. Es gibt nicht zu wenig, es gibt viel zu viel Geld auf der Welt, nämlich 12x so viel Geld wie alle Güter der Welt zusammengenommen. Geld ist nichts mehr wert, weil dem Geld keine Güter gegenüber stehen, die man kaufen kann. Deshalb versuchen alle, die Geld haben, wie die Fonds Manager und Investoren, verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten für ihr Geld. Jeder will einen realen Wert für sein Geld und darum wird mit allen Tricks gekämpft. Das zu viele Geld ist durch Finanzinstrumente wie Derivatehandel oder Swaps entstanden.

    Deshalb werden immer weitere Lebensbereiche monetarisiert.
    So kommt es, dass eine Erzieherin ihre vier eigenen Kinder in die Kita A schicken muss, um in der Kita B für die Erziehung von vier fremden Kindern Geld zu verdienen, mit dem sie dann die Kita A bezahlen kann. Von ihrem Verdienst muss die Erzieherin Steuern an den Staat zahlen, die zum großen Teil in die Finanzindustrie fließen, um mit echter Arbeit faule Kredite abzulösen.
    Sogar die Luft und das Klima werden zur Handelsware.

    Weil die Finanzleute die Staaten in der Hand haben, gibt es immer mehr staatliche Anreize und Vorschriften, die dazu führen, dass noch gut funktionierende Geräte gegen neue, vordergründig umweltfreundlichere ausgetauscht werden (müssen). Deshalb wird auch der Warenumlauf immer schneller und langlebige Produkte sind nicht mehr gefragt.

    Das viele Geld ist zum Schwarzen Peter geworden, den jeder so schnell wie möglich wieder loswerden muss. Die Frage ist, wie man aus diesem Teufelskreis wieder herauskommt oder sein Leben abseits davon lebt. Welche Wege gibt es für den Bauern? Wie geht man in der Bauernkultur damit um? Was kann so einer wie ich in dieser Hinsicht vom Bauern lernen?

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